Otitis!!

Informationsblatt zur Ohrenentzündung bei Hund und Katze

Die Entzündung des äußeren Gehörgangs (Otitis externa) ist eine Erkrankung, die bei Hund und Katze sehr häufig vorkommt. Oft sind schon kleine Welpen betroffen, jedoch ist auch bei älteren Tieren der "Ohrenzwang" häufig Grund für einen Besuch beim Tierarzt. Dieses Informationsblatt soll die häufigsten Fragen dazu beantworten.

Was sind die Anzeichen einer Ohrenentzündung?

Deutliche Anzeichen einer Otitis externa sind übler Geruch aus dem Ohr, Kratzen und Kratzspuren an den Ohren (Katzen) und ständiges Kopfschütteln. Auch Äußerung von übermäßigem Wohlbefinden z.B. Grunzen und Stöhnen bei Massage des Ohres können ein Hinweis sein. In schweren Fällen ist die Berührung des erkrankten Ohres dagegen überaus schmerzhaft. Oft sieht man auch Tiere, die sich gar nichts anmerken lassen. Dem Besitzer fällt lediglich ein schmieriger, brauner Belag im Innern der Ohrmuschel auf. Dies sollte auf jeden Fall Anlaß sein, beim nächsten Tierarztbesuch auch eine Ohrenuntersuchung vornehmen zu lassen.

Wie kommt es zur Ohrenentzündung und wie verläuft die Erkrankung?

Bei Welpen sind es meist Ohrmilben, die zu einer Enzündung des äußeren Gehörganges führen. Bei jungen und erwachsenen Tieren kann auch eine Allergie die Ursache sein. Wie auch immer - ist die natürliche Immunabwehr des Ohres erst einmal gestört, können sich Bakterien und Pilze - normale Bewohner des gesunden Ohres - ungehemmt vermehren und die Situation weiter verschlimmern. Das Ohr reagiert auf den ständigen Reiz zunächst mit vermehrter Sekretion von Ohrenschmalz, der durch bakterielle Zersetzung zu übelstem Geruch führt. Allmählich kommt es zur Verdickung und zu Wucherungen der Ohrinnenhaut, die zu einem völligen Verschluß der Ohröffnung führen können. Eiter und Ohrenschmalz stauen sich in der Tiefe vor dem Trommelfell und führen zu erheblichen Schmerzen. Im schlimmsten Fall kann das Trommelfell einreißen und der Entzündungsprozeß auf Mittel- und Innenohr übergreifen, wo er eine schwere Allgemeinerkrankung mit Fieber und Gleichgewichtsstörungen nach sich zieht.

Muß eine Ohrenentzündung behandelt werden?

Eine Ohrenentzündung muß immer behandelt werden, da die natürliche Abwehrfunktion des Ohres gestört ist, und sich das Tier nicht selber helfen kann. Im akuten Stadium ist die Behandlung sehr einfach, schnell und erfolgversprechend. Wird die Entzündung jedoch nicht bemerkt oder nicht konsequent und ausreichend lange behandelt, so kann sie über viele Jahre bestehen bleiben, wobei sie sich stetig verschlimmert. Die Behandlung einer solchen chronischen Entzündung ist langwierig und oft schwierig, da das Tier aufgrund der Schmerzen häufig keine Manipulationen am Ohr mehr duldet. Oft ist dies nur unter Narkose möglich. Manchmal kann nur noch eine Operation dem Tier Erleichterung verschaffen, bei der der ganze äußere Gehörgang freigelegt wird.

Wie wird die Ohrenentzündung behandelt?

Das oberste Prinzip der Ohrenbehandlung ist die Reinigung des Gehörganges von Entzündungssekreten und Ohrenschmalz, da dies die idealen Nährböden für Krankheitserreger sind. Der Tierarzt spült das Ohr mit einer antiseptischen Lösung und entfernt die gelösten Beläge mit einer Schlinge, einem Wattetupfer oder mit einem Sauger. Bei großer Schmerzhafttigkeit kann hierzu eine Narkose nötig sein. Anschließend wird eine Ohrensalbe eingebracht, die ein Antibiotikum und einen Wirkstoff gegen Pilze enthält. Ein Anteil an Cortison lindert rasch den Juckreiz und die Schmerzen und bringt die entzündlichen Erscheinungen zum Abklingen. Sind Milben vorhanden, wählt der Tierarzt eine Salbe, die zusätzlich ein Insektizid enthält. Bei schweren, eitrigen Entzündungen kann auch eine Behandlung mit Antibiotika-Tabletten nötig sein.

Und nun das Wichtigste: Wie wird die Behandlung zuhause fortgeführt?

Sie erhalten von Ihrem Tierarzt eine Spüllösung und eine Tube Ohrensalbe. Die Spüllösung dient dazu, Entzündungssekrete und Ohrenschmalz zu lösen, so daß sich das Tier durch Ohrenschütteln davon befreien kann.

1. Spülen Sie jeden Morgen das erkrankte Ohr, indem Sie reichlich Lösung in den Gehörgang geben. 2. Anschließend massieren Sie den unter der Ohrmuschel zu fühlenden knorpeligen Gehörgang in senkrechter Richtung, damit sich die Lösung gut verteilt und Beläge sich lösen.

3. Danach säubern Sie die äußere Ohrmuschel mit einem um den Finger gewickelten Taschentuch, soweit Sie mit dem Finger hineinkommen. Ritzen und Falten am Ohreingang nicht vergessen.

Bitte verwenden Sie keine Wattestäbchen für den Gehörgang!

Sie schieben damit die Beläge in die Tiefe vor das Trommelfell , von wo sie schwer wieder zu entfernen sind.

4. Durch Schütteln und Bewegung wandern die gelösten Beläge im Verlaufe des Tages von allein nach oben zum Ohrausgang, wo sie mittags oder nachmittags wiederum mit Finger und Taschentuch abgenommen werden können.

5. Nach dieser zweiten Reinigung bringen Sie die Ohrensalbe in das Ohr ein. Führen Sie die Tube hinter dem vordersten Ohrknorpel senkrecht nach unten soweit wie möglich in den Gehörgang ein. Drücken Sie nun im Herausziehen leicht auf die Tube, so daß je nach Größe des Tieres etwa eine erbsengroße Menge im Gehörgang verteilt wird. Im Gegensatz zu der Spüllösung reicht es hier, wenn nur wenig Ohrensalbe gut verteilt wird.

Massieren Sie hierzu wiederum den Gehörgang wie oben beschrieben. Auch die Falten und Ritzen am Ohreingang sollten dünn mit Salbe bestrichen werden. Hierzu sind auch Wattestäbchen erlaubt.

Führen Sie diese Prozedur jeden Tag durch, solange Ihr Tierarzt es angeordnet hat. Gegebenenfalls werden Sie zu einer Kontrollutersuchung bestellt, die Sie auch durchführen lassen sollten, wenn Sie meinen, es sei schon wieder alles in Ordnung. Dies kann schon nach wenigen Tagen so aussehen, da die Medikamente schnell Linderung bringen.

Wichtig: Hören Sie jedoch bitte erst dann mit der Behandlung auf, wenn Ihr Tierarzt eine Abschlußuntersuchung durchgeführt hat und die Behandlung für beendet erklärt.

Stellt man die Behandlung zu früh ein, so überleben gerade die Bakterien und Milben, die besonders resistent sind. Sie vermehren sich und verursachen nach einiger Zeit erneut eine Entzündung, die aufgrund der Widerstandsfähigkeit der Erreger weitaus langwieriger zu behandeln sein kann als die Ersterkrankung.

 

Quelle: www.animal-health-online.de